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Schwerpunkt Kambodscha - META HOUSE

Die Roten Khmer
und die Folgen

Am 17. April 2015 jährte sich zum 40. Mal der Sieg der Roten Khmer in Kambodscha. Am Tag, als Pol Pots ultra-kommunistische Schergen die Hauptstadt Phnom Penh einnahmen, ahnten nur wenige, dass dies der Beginn einer der größten menschlichen Tragödien des letzten Jahrhunderts war. In den folgenden drei Jahren, 8 Monaten und 20 Tagen bis zur Befreiung durch vietnamesische Truppen fielen dem Genozid ungefähr 1,7 Millionen Menschen zum Opfer, was 21% der damaligen Gesamtbevölkerung entspricht.

Der folgende Bürgerkrieg dauerte fast bis Ende der 1990er-Jahre und machte das südostasiatische Königreich am Mekong-Fluss zu einem der ärmsten Länder der Erde. Erst seit 2007 läuft der von den Vereinten Nationen mitgetragene Kriegsverbrecher-Prozess. Nur langsam erholt sich Kambodscha demographisch und ökonomisch, und das mit umfangreicher internationaler Unterstützung.


Foto unten:

Nico Mesterharm
er ist Filmemacher und Gründer des META HOUSE Phnom Penh


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Mehr Hintergrundinfos:
Geschichte nicht vergessen
Plakat FAR AWAY FROM ANGKOR
Ralf Oldenburg im Interview mit Nico Mesterharm: Gehorsamverweigerung



Dokumentation als künstlerische Erinnerungsarbeit

Akademie der Künste am Hanseatenweg
Eröffnung 24.01.2015, Laufzeit 25.1 – 1.3.2015

In der Ausstellung wurden sechs exemplarische künstlerische Arbeiten vorgestellt, die sich mit der Aufarbeitung der jüngsten Geschichte des Landes auseinandersetzen, Arbeiten, die alle einem dokumentarischen Ansatz folgen.

RITHY PANH (geb. 1964 in Phnom Penh) ist ein kambodschanischer Dokumentarfilmemacher. In seinem Oskar-nominierten Film The Missing Picture (2013) erzählt er sein eigenes Trauma und das seiner Familie. Wie viele andere wurde Panhs Familie 1975 aus der Hauptstadt Phnom Penh vertrieben und in ein Arbeitslager auf dem Land gebracht. Panhs Eltern starben an Hunger und Erschöpfung. Er selbst überlebte die Folterlager mit großem Glück. Im Film rekonstruiert Panh seine Kindheit mit Holzpuppen, die der Bildhauer Sarith Mang gestaltete. Die Möglichkeit, mit Puppen das Trauma nachzuerzählen und damit eine bedrückende Wirklichkeit zu erschaffen, macht den Film zu einem Meilenstein nicht nur für die kambodschanische Kunst.

KHVAY SAMNANG (geb. 1982 in Svay Rieng) gehört zur jungen Generation kambodschanischer Künstler. Nach Abschluss des Studiums an der Royal University Phnom Penh schloss er sich dem Kollektiv “Stiev Selapak” (“Kunst-Rebellen”) an. Seine Arbeiten setzen sich unter anderem kritisch mit ökonomischen Landkonzessionen in Kambodscha auseinander. Die Serie Untitled (2011)thematisiert zum Beispiel auch die Auffüllung des Boueng-Kak-Sees in Phnom Penh durch Privatinvestoren, die zu Zwangsvertreibung, gewaltvollen Demonstrationen, Verhaftungen und Gerichtsverfahren in Phnom Penh führte. Khvay Samnang hat sich im Rahmen einer Residenz im Berliner Künstlerhaus Bethanien von September 2014 bis September 2015 in Berlin aufgehalten. In seinen performativen Interventionen setzt er sich mit seinem eigenen Körper immer wieder für eine kritische politische Haltung ein.

VANDY RATTANA (geb. 1980 in Phnom Penh) setzt sein fotografisches Werk vor allem zur Dokumentation kambodschanischer Realitäten wie auch zur aktiven Rekonstruktion der Geschichte ein. Die Fotoserie Bomb Ponds zeigt heutige Wasseransammlungen, die sich in den Einschlaglöchern von Bomben aus der Zeit der US-amerikanischen Bombardierungen (1964-1973) gebildet haben. Auf diese subtile Weise kritisiert Vandy Rattana auch die internationale Politik, die die Zerstörung der kambodschanischen Gesellschaft mit zu verantworten hat. Diese Positionen sind entscheidend, weil diese Künstler für ihre Gesellschaft die eigene Geschichte nacherzählen und dokumentieren, jenseits aller auch noch so gut gemeinten Fremdbestimmungen durch die USA oder Europa.

GÜNTHER UECKER (geb. 1930) reiste im Jahre 1993 nach Kambodscha, um die Khmer-Kultur zu studieren. Beeindruckt war Uecker aber dann vor allem von den Gedenkstätten des Terrorregimes der Roten Khmer. Ausgehend von Abbildungen der Gefängnismauern und der Porträts der Gefolterten und Ermordeten entstand der Zyklus Wind der Seelen der Toten, für die Kinder der Khmer. Seinen eigenen Schock verarbeitete Uecker in 62 Zeichnungen, die vollständig ausgestellt werden. Auch Ueckers Ausgangspunkt ist dokumentarisches Bildmaterial, das er übermalt.

Der englische Fotograf TIM PAGE (geb. 1944 in Kent) wurde als Kriegsfotograf im Vietnam-Krieg weltberühmt. Er dokumentiert Kambodscha seit 50 Jahren. 2013/2014 hat er im Auftrag der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) das Projekt Fotografische Vermessung realisiert. Seine Fotos geben Einblick in die Lebenswelt von Menschen, die Teil eines Landreformprojektes der kambodschanischen Regierung sind, das durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung unterstützt wird.

ONG KENG SEN (geb. in Singapur) ist Theaterregisseur. Seine „Doku-Performance“ Beyond the Killing Fields basiert auf der wahren Geschichte von Em Theay, einer Meistertänzerin des königlich-klassischen Tempel-Tanzes in Kambodscha. Em Theay hat das mörderische Regime der Roten Khmer überlebt und gibt für Beyond the Killing Fields ihr tänzerisches Können und historisches Wissen als Zeitzeugin an das Nationale Tanzensemble weiter. Die Doku-Performance setzt sich aus Live-Interviews und filmischer Recherche an kambodschanischen Originalschauplätzen zusammen. Die Akademie der Künste zeigte eine Aufzeichnung aus der Doku-Performance.
 
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